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DSGVO·10 min

AVV für ChatGPT, Claude und Gemini: Vergleich 2026

Von Ali Aras, Geschäftsführer der Nexovo GmbH

Einen AVV gibt es bei ChatGPT, Claude und Gemini nur für Business-Tarife und die bezahlte API, nicht für Gratis- und Privattarife. Stand Oktober 2026.

Einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV, englisch Data Processing Addendum) schließen OpenAI, Anthropic und Google nur für ihre Geschäftsangebote ab: ChatGPT Business und Enterprise, Claude Team und Enterprise, Gemini in Google Workspace und die jeweils bezahlte API. Für ChatGPT Free, Plus und Pro, Claude Free, Pro und Max und die Gemini-App mit privatem Google-Konto gibt es keinen – dort verwenden die Anbieter die Eingaben je nach Einstellung auch zum Training ihrer Modelle. Entscheidend ist das für Unternehmen, die Kunden-, Bewerber- oder Mitarbeiterdaten in einen dieser Dienste eingeben.

Der Vergleich zeigt je Tarif, ob es einen AVV gibt, ob mit Ihren Eingaben trainiert wird, wer Vertragspartner ist und ob die Daten in Europa bleiben. Alle Angaben stammen aus den Vertragsunterlagen und Hilfeseiten der Anbieter, abgerufen am 7. Oktober 2026; die Quellen stehen am Ende.

Der Vergleich auf einen Blick

Stand: 7. Oktober 2026 – Belege am Ende des Artikels
AngebotAVVTraining mit Ihren EingabenDaten in Europa
ChatGPT Free, Go, Plus, Proneinja, bis zur Abwahlkeine Zusage
ChatGPT BusinessjaneinSpeicherort wählbar (wird eingeführt), Kopie befristet in den USA
ChatGPT EnterprisejaneinSpeicherung in Europa, Rechenleistung für berechtigte Kunden
OpenAI APIjaneinRegion Europa nach Freigabe
Claude Free, Pro, Maxnein – nur nicht-kommerzielle Nutzung erlaubtja, außer man widersprichtkeine Zusage
Claude Team, Enterprise, APIja, automatischneinnicht bei Anthropic, aber über Amazon Bedrock oder Google Cloud
Gemini-App mit privatem Kontoneinja, solange „Aktivitäten speichern“ an istkeine Zusage
Gemini in Google Workspace (ab Business Starter)janein, ohne ErlaubnisDatenregion EU ab Business Standard
Gemini API, bezahltjaneinkeine Zusage
Gemini über Google Cloud (früher Vertex AI)janein, ohne ErlaubnisEU-Endpunkt: Verarbeitung in der EU

Vertragspartner für Kunden in Österreich ist bei OpenAI die OpenAI Ireland Ltd, bei Anthropic die Anthropic Ireland, Limited, bei Google für die Gemini-App mit privatem Konto die Google Ireland Limited und für Workspace, Google Cloud und die bezahlte API die Google Cloud EMEA Limited. Tarifnamen und Bedingungen ändern sich oft – vor einer Entscheidung den aktuellen Stand beim Anbieter prüfen.

OpenAI: ChatGPT und API

Einen Auftragsverarbeitungsvertrag schließt OpenAI nur für ChatGPT Business, ChatGPT Enterprise und die API ab. Der AVV ist Bestandteil des Services Agreement, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden; zusätzlich lässt er sich über ein Online-Formular ausfertigen. Vertragspartnerin für Kunden im EWR ist die OpenAI Ireland Ltd in Dublin – für Geschäftskunden wie für Verbraucher.

  • ChatGPT Free, Go, Plus und Pro: Die Verbraucherdienste sind vom AVV ausgenommen. OpenAI trainiert mit den Gesprächen, solange die Einstellung „Das Modell für alle verbessern“ nicht ausgeschaltet ist; temporäre Chats fließen nicht ins Training, eine Kopie kann aber bis zu 30 Tage gespeichert bleiben.
  • ChatGPT Business und Enterprise: Inhalte aus ChatGPT Business, Enterprise und Edu verwendet OpenAI standardmäßig nicht zum Training. Enterprise-Kunden können neue Workspaces in Europa speichern lassen und seit 16. Jänner 2026, sofern sie dafür berechtigt sind, auch die Rechenleistung der Modelle in Europa. Bei Business wird die Wahl des Speicherorts erst schrittweise eingeführt, und auch bei gewählter Region außerhalb der USA liegt eine Kopie jedes Prompts und jeder Antwort befristet in den USA – für Sicherheit und Missbrauchsüberwachung.
  • API: Was über die API geschickt wird, verwendet OpenAI seit 1. März 2023 nicht zum Training. Protokolle zur Missbrauchsüberwachung bewahrt OpenAI bei der API standardmäßig bis zu 30 Tage auf; Zero Data Retention gibt es nur nach Prüfung durch OpenAI, und die Region Europa gibt es nur nach einer Freigabe für Zero Data Retention oder eine eingeschränkte Missbrauchsüberwachung und mit einem Vertragszusatz.

Anthropic: Claude

Für Claude Team, Claude Enterprise und die Claude-API gelten die Commercial Terms, und der AVV samt Standardvertragsklauseln ist darin automatisch enthalten: wer die Commercial Terms akzeptiert, akzeptiert auch den AVV. Eine eigene Unterschrift braucht es nicht. Vertragspartner für Kunden im EWR ist die Anthropic Ireland, Limited; mit Kundeninhalten trainiert Anthropic nicht.

  • Claude Free, Pro und Max: Die Verbraucherbedingungen für Kunden im EWR erlauben nur die nicht-kommerzielle Nutzung – für betriebliche Daten sind diese Tarife damit schon vertraglich nicht vorgesehen. Einen AVV gibt es nicht, und seit 8. Oktober 2025 darf Anthropic Chats aus Claude Free, Pro und Max zum Training verwenden, außer man widerspricht (Einstellung „Help Improve our AI models“). Mit Trainingsfreigabe bleiben die Daten in de-identifizierter Form bis zu fünf Jahre gespeichert, ohne 30 Tage.
  • Speicherdauer bei der API: Ein- und Ausgaben über die Claude-API löscht Anthropic standardmäßig binnen 30 Tagen. Zero Data Retention gibt es nur nach Genehmigung – und für bestimmte Modelle („Covered Models“) gilt seit 9. Juni 2026 eine Aufbewahrung von 30 Tagen, die Vorrang vor Zero Data Retention hat.
  • Europa: Anthropic selbst bietet keine EU-Region an: Bei der eigenen API ist die Verarbeitung nur in den USA oder weltweit wählbar, gespeichert wird in den USA. Wer die Verarbeitung auf Europa beschränken muss, nutzt Claude über Amazon Bedrock, etwa mit dem Endpunkt Frankfurt, oder über Google Cloud mit dem EU-Endpunkt – dann ist der Cloud-Anbieter Auftragsverarbeiter; für die „Covered Models“ verarbeitet Anthropic die Daten zusätzlich selbst.

Google: Gemini

Bei Google entscheidet das Konto. In Google Workspace ist die Gemini-App ab Business Starter ein Kerndienst unter dem Workspace-Vertrag samt Cloud Data Processing Addendum: Inhalte werden ohne Erlaubnis weder von Menschen geprüft noch außerhalb der eigenen Domain zum Training verwendet. Mit Workspace Individual ist die Gemini-App nur ein zusätzlicher Dienst – für Einzelunternehmen eine naheliegende, aber andere Grundlage.

  • Gemini-App mit privatem Konto: Es gelten die Google-Nutzungsbedingungen, ein AVV ist nicht vorgesehen. „Aktivitäten speichern“ ist ab 18 Jahren voreingestellt; dann nutzt Google die Chats zur Verbesserung seiner Dienste einschließlich des Trainings und lässt einen Teil von Menschen prüfen. Geprüfte Chats bleiben bis zu drei Jahre gespeichert, auch wenn man den Verlauf löscht.
  • Gemini API: Bezahlte Nutzung verwendet Google nicht zur Verbesserung seiner Produkte und verarbeitet sie nach dem AVV für Auftragsverarbeitung; im EWR gelten diese Datenregeln laut Google für alle Dienste, auch für Google AI Studio und das Gratiskontingent. Ob der AVV formal auch die Gratisnutzung erfasst, lässt Google offen – für personenbezogene Daten daher nur mit Abrechnungskonto. Zur Missbrauchserkennung speichert Google Prompts und Antworten 55 Tage.
  • Workspace und Google Cloud in Europa: In Workspace gibt es eine Datenregion EU ab Business Standard, sie legt den Speicherort fest; eine Regel für die Verarbeitung in der Region gibt es erst in Enterprise Plus. In Google Cloud (Agent Platform, früher Vertex AI) bleibt über den EU-Multi-Region-Endpunkt die Verarbeitung in EU-Mitgliedstaaten.

Was ein AVV regeln muss

Sobald ein KI-Dienst personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet, ist der Anbieter Auftragsverarbeiter, und die DSGVO verlangt einen Vertrag:

Die Verarbeitung durch einen Auftragsverarbeiter erfolgt auf der Grundlage eines Vertrags oder eines anderen Rechtsinstruments nach dem Unionsrecht oder dem Recht der Mitgliedstaaten, der bzw. das den Auftragsverarbeiter in Bezug auf den Verantwortlichen bindet und in dem Gegenstand und Dauer der Verarbeitung, Art und Zweck der Verarbeitung, die Art der personenbezogenen Daten, die Kategorien betroffener Personen und die Pflichten und Rechte des Verantwortlichen festgelegt sind.
Art. 28 Abs. 3 DSGVO

Beim Lesen des AVV eines KI-Anbieters lohnen fünf Stellen, alle aus Art. 28 Abs. 3:

  1. 1.Weisung: Verarbeitet der Anbieter nur auf Ihre dokumentierte Weisung – und schließt das Training mit Ihren Daten aus?
  2. 2.Unterauftragsverarbeiter: Wo steht die Liste, und wie erfahren Sie von neuen? Anthropic etwa kündigt neue vorab an, Kunden können binnen 15 Tagen widersprechen.
  3. 3.Übermittlung: Auf welcher Grundlage gehen Daten in die USA? OpenAI und Anthropic stützen die Übermittlung in ihren Auftragsverarbeitungsverträgen auf Standardvertragsklauseln; Google nennt die Zertifizierung der Google LLC nach dem EU-US Data Privacy Framework und Standardvertragsklauseln als Rückfall.
  4. 4.Löschung: Wann werden Ein- und Ausgaben gelöscht – und was bleibt zur Missbrauchserkennung länger liegen?
  5. 5.Nachweise: Welche Unterlagen stellt der Anbieter zur Verfügung, etwa Prüfberichte oder Informationen für eine Transferfolgenabschätzung?

Was der AVV nicht regelt

Der AVV regelt das Verhältnis zum Anbieter – nicht, ob der Einsatz selbst zulässig ist. Die Rechtsgrundlage der Verarbeitung, die Information der Betroffenen, gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung und, bei Übermittlungen auf Standardvertragsklauseln, die Prüfung des Drittlandtransfers bleiben Aufgabe Ihres Unternehmens. Welche Daten überhaupt in welches Werkzeug dürfen, legt eine KI-Nutzungsrichtlinie fest; die Grundsatzfrage beantwortet der Artikel DSGVO und KI 2026.

Häufige Fragen zum AVV bei KI-Diensten

Gibt es für ChatGPT Plus einen AVV?

Nein. OpenAI schließt einen AVV nur für ChatGPT Business, ChatGPT Enterprise und die API ab; die Verbraucherdienste Free, Go, Plus und Pro sind ausdrücklich ausgenommen. Ein eigener AVV für Plus und Pro betrifft nur Daten, die eine veröffentlichte ChatGPT Site von Besuchern erhebt – nicht Ihre Prompts.

Hat Claude einen AVV?

Ja, für Claude Team, Claude Enterprise und die Claude-API. Anthropic nimmt den AVV samt Standardvertragsklauseln automatisch in die Commercial Terms auf; wer sie akzeptiert, akzeptiert auch den AVV. Für Claude Free, Pro und Max gibt es keinen, und die EWR-Bedingungen dieser Tarife erlauben nur nicht-kommerzielle Nutzung.

Wo finde ich den AVV von Anthropic?

Auf der Website von Anthropic unter Legal, als Data Processing Addendum (anthropic.com/legal/data-processing-addendum). Er gilt mit den Commercial Terms und muss nicht eigens unterschrieben werden; Vertragspartner für Kunden im EWR ist Anthropic Ireland, Limited.

Werden meine Daten bei ChatGPT Business zum Training verwendet?

Nein, nicht in der Voreinstellung. OpenAI verwendet Inhalte aus ChatGPT Business, Enterprise und Edu standardmäßig nicht zum Training, und das Services Agreement erlaubt die Nutzung von Kundeninhalten zur Verbesserung der Dienste nur mit ausdrücklicher Zustimmung.

Darf ich Gemini mit meinem privaten Google-Konto für Kundendaten nutzen?

Nein, nicht ohne AVV. Für die Gemini-App mit privatem Konto gelten die Google-Nutzungsbedingungen, und Unterhaltungen können von Menschen geprüft und zum Training verwendet werden. Mit einem Workspace-Konto ab Business Starter gilt der Workspace-Vertrag samt Cloud Data Processing Addendum.

Bleiben die Daten in der EU?

Nur mit bestimmten Tarifen und Einstellungen. OpenAI speichert für Enterprise auf Wunsch in Europa, die API-Region Europa gibt es nach Freigabe; Anthropic selbst hat keine EU-Region, wohl aber Amazon Bedrock und Google Cloud; Google bietet in Workspace ab Business Standard eine Datenregion EU und in Google Cloud EU-Endpunkte.

Reicht ein AVV für den Einsatz mit personenbezogenen Daten?

Nein. Der AVV regelt nur das Verhältnis zum Anbieter. Rechtsgrundlage, Information der Betroffenen, gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung und die Prüfung der Übermittlung in die USA bleiben Aufgabe Ihres Unternehmens.

Welcher Tarif zu Ihren Daten passt und was vor dem ersten Einsatz geklärt werden muss, gehört bei Nexovo zur KI-Beratung – Nexovo verkauft keine Lizenzen und bekommt keine Provisionen von Anbietern.

KI-Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von der Nexovo-Redaktion inhaltlich geprüft und verantwortet. Mehr dazu

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